Der Klimawandel stellt Städte – auch unsere Stadt Neusäß – vor besondere Herausforderungen. Durch zum Teil hohe Bebauungsdichte und versiegelte Flächenanteile sowie geringe bis fehlende Grünanlagen in diesen Bereichen sind urbane Räume besonders anfällig für Starkregen, Hochwasser, Stürme, extreme Hitze und zunehmende Dürreperioden. Um die Menschen, Umwelt und Infrastruktur in Neusäß zu schützen, sind gezielte Maßnahmen zur Verbesserung des Stadtklimas, zur Anpassung an Extremwetterereignisse und zur Erhöhung der urbanen Klimaresilienz mit Blick auf die Zukunft notwendig.
Schon jetzt sehen wir, dass sich das Lokalklima einer Stadt teils sehr stark vom Umland unterscheidet, oft durch höhere Luft- und Oberflächentemperaturen (Wärmeinsel-Effekt), schlechtere Luftqualität, geringere Luftfeuchtigkeit und veränderte Wind- und Niederschlagsverhältnisse. Insbesondere Hitzeperioden stellen für vulnerable Bevölkerungsgruppen wie Senior*innen, Kleinkinder und Babys, aber auch (chronisch) kranke Menschen eine große gesundheitliche Belastung dar.
Flächenverbrauch und Bodenversiegelung, Bebauung und die (Emissionen aus) Gewerbe, Industrie und Verkehr haben dabei den größten Einfluss auf die lokalen klimatischen Bedingungen in einem städtischen Ballungsraum wie Neusäß.
Um uns auch für die Zukunft eine hohe Lebensqualität in Neusäß zu erhalten und für die sich mehrenden Extremwetterereignisse besser gewappnet zu sein, haben wir GRÜNEN für Neusäß folgende Maßnahmen und Vorschläge erarbeitet:
Erhöhung der (naturnah gestalteten) Grünflachen im Stadtgebiet
Parkanlagen, Grünstreifen, Bäume (mit ausladendem Kronendach) sowie Dach- und Fassadenbegrünungen tragen wesentlich zur Abkühlung der Umgebung bei. Pflanzen spenden Schatten, verdunsten Wasser und reduzieren dadurch die sogenannte städtische Wärmeinsel. Besonders Straßenbäume können die gefühlte Temperatur deutlich senken und die Luftqualität verbessern. Dach- und Fassadenbegrünungen haben zusätzlich den Vorteil, dass sie Gebäude vor Überhitzung schützen, die Energieeffizienz erhöhen und Regenwasser zurückhalten. Wir Neusässer GRÜNEN schlagen daher vor, Möglichkeiten der Dach- und Fassadenbegrünung an öffentlichen Gebäuden zu prüfen und umzusetzen und wo möglich bei neuen Bauvorhaben mitzudenken, gezielt Grünflächen auszuweiten, bestehende Grünanlagen zu sichern und gegebenenfalls aufzuwerten und Begrünungen bei Neubauten sowie Sanierungen zu unterstützen. Auch der Erlass einer städtischen Baumschutzverordnung für Neusäß kann hier einen Beitrag leisten, wie bereits im Beitrag zu Energie und Klimaschutz beschrieben.
Nachhaltiger Umgang mit Regenwasser
Starkregenereignisse nehmen zu und überfordern häufig die Kanalisation, was zu Überschwemmungen führt. Eine klimaangepasste Stadtplanung setzt deshalb auf das Prinzip der „Schwammstadt“. Dabei wird Regenwasser möglichst vor Ort gespeichert, versickert oder verzögert abgeleitet. Entsiegelte Flächen, durchlässige Pflastersteine, Mulden, Rigolen, Retentionsflächen und begrünte Dächer helfen, Wasser aufzunehmen und Hochwasserrisiken zu reduzieren. Gleichzeitig kann gespeichertes Regenwasser in Trockenperioden zur Bewässerung von Grünflächen genutzt werden und trägt so zur Anpassung an Dürreperioden bei. Wir Neusässer GRÜNEN schlagen daher vor, Speicherung und Nutzung von Regen- und Grauwasser für Bewässerung in neuen Bebauungsplänen (derzeit lediglich als Empfehlung) zu prüfen.
Klima-intelligente Stadtplanung und klimaangepasste Architektur
Sparsamer Flächenverbrauch und Versiegelung von Flächen mit Augenmaß, wo möglich Entsiegelung von Flächen, um unnötiges Aufheizen zu reduzieren (Beispielshaft in Neusäß hierfür ist das Stadtgebiet Siemensstraße/ Gewerbegebiet N). Dies beinhaltet auch die maßvolle Neuausweisung von Wohngebieten (gemäß dem Grundsatz: Quartierverträglich nachverdichten, dann erst neu ausweisen) und wo gut möglich lieber eine Etage höher bauen und dafür mehr Grün zwischen den Gebäuden, keine Bebauung in hochwassergefährdeten Bereichen, mehr städtische Begrünung sowie insekten- und bienenfreundliche Parkanlagen. Eine aufgelockerte, quartierverträgliche Bebauung mit ausreichend Durchlüftung ermöglicht den Luftaustausch und den Abtransport von Hitze. Kaltluftentstehungsgebiete, Frischluftschneisen, Grünzüge oder unbebaute Flächen sollten erhalten und miteinander vernetzt werden, damit kühlere Luft in die Stadt strömen kann. Helle Fassaden und Dachflächen reflektieren Sonnenstrahlung besser als dunkle Materialien und reduzieren die Aufheizung von Gebäuden und Straßen. Bei Neubauten sollte zudem auf hitzeresistente Materialien und eine gute Wärmedämmung geachtet werden (Glasfassaden wie beispielsweise am Neusässer Rathaus sind hier meist eher kontraproduktiv).
Schutz vor extremer Hitze
Insbesondere Hitzeperioden stellen für vulnerable Bevölkerungsgruppen wie Senior*innen, Kleinkinder und Babys, aber auch (chronisch) kranke Menschen eine große gesundheitliche Belastung dar. Deshalb schlagen wir Neusässer GRÜNEN vor, vermehrt Trinkwasserbrunnen bereitzustellen (wie beispielsweise am neuen Stadtplatz in Neusäß entstanden), schattige Aufenthaltsorte im Stadtgebiet, insbesondere auch beschattete Spielplätze und den Zugang zu kühlen öffentlichen Räumen (beispielsweise in Kirchen oder städtischen Gebäuden wie Bibliotheken) bereitzustellen sowie hitzeangepasste Arbeits- und Schulzeiten für derartige Hitzewellen zu initiieren. Frühwarnsysteme und Hitzeaktionspläne können helfen, die Bevölkerung rechtzeitig zu informieren und gesundheitliche Risiken zu minimieren. Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und Kitas sollten besonders geschützt und angepasst werden.
Anpassung der städtischen Infrastruktur
Um die urbane Klimaresilienz zu erhöhen, muss insbesondere unsere kritische Infrastruktur im Stadtgebiet wie Verkehrswege, Energie- und Wasserversorgungsnetze sowie die digitale Infrastruktur (Informations- und Kommunikationstechnik) widerstandsfähiger gegenüber Hitze, Starkregen und Sturm werden. Hochwasserschutzmaßnahmen wie Deiche, mobile Schutzsysteme oder Rückhaltebecken und natürliche Retentionsräume können Schäden an Gebäuden und Verkehrsanlagen reduzieren. Gleichzeitig sollten kritische Infrastrukturen nie in hochwassergefährdeten Bereichen errichtet oder entsprechend gesichert werden. Daneben schlagen wir Neusässer Grünen vor, wo immer möglich, die Entsiegelung von Flächen im Stadtgebiet voranzutreiben und Versickerungsflächen in Form von Grünstreifen zu erweitern, um das stark belastete Neusässer Kanalsystem widerstandsfähiger gegenüber Starkregenereignissen zu machen. Die Erstellung eines Schwammstadt-Konzept für Neusäß stellt einen weiteren wesentlichen Ansatzpunkt dar, um sich sowohl für Dürreperioden als auch Starkregen widerstandsfähiger aufzustellen. Hier ist mit Einbau und Nutzung einer Zisterne um den neuen Stadtplatz ein zukunftsträchtiger erster Schritt in die richtige Richtung getan, weitere positive Beispiele sollen folgen.
Beteiligung der Bevölkerung
Auch wir Bürgerinnen und Bürger können durch Begrünung von Innenhöfen, Balkonen und Dächern, durch die Anlage unversiegelter versickerungsfähiger Außenflächen, durch Regenwasserspeicher und Wassersparen sowie durch die Nutzung klimafreundlicher Mobilität aktiv zu einem besseren Stadtklima beitragen. Kommunale Informationskampagnen, Förderprogramme und Beteiligungsprozesse stärken unser Bewusstsein dafür, dass die Verbesserung des Stadtklimas und der Widerstandsfähigkeit gegenüber Extremwetterereignissen eine Gemeinschaftsaufgabe darstellt und erhöhen so auch die Akzeptanz für notwendige Anpassungen.
Zusammenfassend wollen wir festhalten, dass wir in unserer Stadt durch mehr Stadtgrün, einen nachhaltigen Umgang mit Wasser, klimaangepasste Bauweisen, eine widerstandsfähige Infrastruktur und aktive Einbindung der Bevölkerung einen wesentlichen Beitrag sowohl zum Schutz von Gesundheit und körperlicher Unversehrtheit der Neusässerinnen und Neusässer, als auch für unsere Infrastruktur und Versorgungssysteme (Wasser, Energie, Bildung, Gesundheitsversorgung etc.) leisten können.
All das macht uns zukunftsfähig und trägt wesentlich bei zur Bewahrung unserer Lebensqualität hier mitten im schönen Neusäß!